Krieg in Europa

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Was kann ein einzelner schon tun gegen die Katastrophen in dieser Welt?

Donnerstag den 24. Februar 2022

waren wir alle geschockt, dass in Europa Krieg ausgebrochen ist.

Unsere Partner und Freunde Sergej und Natascha Bolchuk in der Ukraine hatte ich das erste mal 2010 in Kiew getroffen als sie auf unserer Tagung vom Europäischen Netzwerk Behinderung dabei waren. Uns hat vieles gleich verbunden, so waren sie, genau wie ich erst in der Arbeit mit Drogenabhängigen engagiert und nach einem Autounfall selbst von Querschnittlähmung betroffen und auf die Belange von Menschen mit Behinderung aufmerksam geworden.

Freitag, den 25. Februar 2022

Pete Malkin aus England der normalerweise sehr engagiert für Menschen mit Behinderung in

Rumänien unterwegs ist, schreibt mir, er möchte mit seinem Transporter ein paar Menschen mit Behinderung aus der Ukraine holen. Das hat mir den Anstoß gegeben weitere Transporter und Fahrer in meinem Bekanntenkreis zu suchen.

So machten sich dann am dritten Tag nach Kriegsbeginn, am Samstag, den 26. Februar 2022 sechs Transporter auf den Weg an die Ukrainische Grenze.

Von der Europäischen Evangelischen Allianz und auch von der Evangelischen Allianz Deutschland wurden offizielle Schreiben mit Namenslisten der Ukrainer angefertigt um die Ausreise an den Grenzen zu erleichtern.

Während alle unterwegs waren, suchte ich von zu Hause aus ein Haus wo sie in Deutschland aufgenommen werden könnten. Thomas Schmutzler ein Diakon in Rente aus Ostdeutschland unterstütze mich telefonisch mit seinen Kontakten und Geographiekenntnissen und gemeinsam begleiteten wir die Fahrer in der Whats App Gruppe.

Dann erfuhren wir plötzlich, dass die Grenze zu Ungarn für Ukrainer geschlossen wurde. Nun mussten wir schnell über Polen umplanen. Über unsere Smartphones konnten wir alle gut in Verbindung bleiben und an der Ukrainischen Grenze lernten sich die Fahrer das erste mal persönlich kennen.

Sonntag, den 27. Februar 2022

Viel Zeit blieb dafür nicht, denn nun kam der heikelste Teil der Reise, mit Hilfe eines von unseren Ukrainern organisierten Polizeikonvois in die Ukraine einreisen und hinter der Grenze die Wartenden abholen.

Noch schwieriger gestaltete sich die Ausreise aus der Ukraine.

Etliche Stunden saß ich zu Hause auf heißen Kohlen.

Dann schickte Marion Koch aus dem Fahrerteam das Foto meiner strahlenden Freundin Natascha im Transporter.

Hatten sie es geschafft? Waren sie schon drüben? Nein, noch nicht ganz, sie waren zwar alle in der Ukraine eingestiegen, mussten aber nun noch über die Grenze. Würde man sie alle ausreisen lassen? Lange Verhandlungen hin und her über Stunden, bis endlich die Nachricht kam, dass alle ausreisen durften. Gott sei Dank!

Übernachtung mit allen 12 Fahrern und 35 Ukrainern

Montag, den 28. Februar 2022

Nun noch quer durch Polen bis nach Süddeutschland. Mit schwerbehinderten Leuten geht das nicht so schnell, da braucht man viele Pausen und zwei Übernachtungen. Die Fahrer konnten sich zwar abwechseln, waren aber auch erschöpft nach der großen Anspannung.

Pete schrieb mir dazu: „After an exhausting day for everyone, it was a Blessing to see many leaving our hotel at 10pm in wheelchairs etc, to see the lights of the city of Lublin in Poland.


I almost felt guilty, driving our vehicles in front of large queue’s waiting patiently in the cold. Each person has a story to tell.“

Übernachtung in Hohenstein-Ernstthal

Bethlehemsstift

Gästehaus Diakoniewerk Westsachsen.

Unsere große Gruppe wird so herzlich empfangen und super versorgt. Obwohl die Coronazeit sie sicher schwer getroffen hat im Gästebetrieb, werden für diese Gruppe und sogar die nächste keine Kosten berechnet.

Dienstag, den 01. März 2022

Weiterfahrt bis zum Ziel, dem Gästehaus Schönblick bei Stuttgart.

Ankunft im Gästehaus Schönblick um 21.30 Uhr

Nataly erzählte uns später, dass ein Mann im Rollstuhl mit seiner Frau im 8. Stock eines Hochhauses ohne Aufzug neben einer militärische Einrichtung gewohnt hatten. Sie hatten sich nie für Gott oder den Glauben interessiert und hatten schon mit ihrem Leben abgeschlossen so ohne jede Chance zu fliehen oder sich auch nur in den Keller zu begeben. Nun waren sie plötzlich mit unsere Gruppe auf der Reise im sicheren Deutschland und kamen ins Fragen. Ob da doch etwas dran sein mag an der Sache mit Gott?

Die Ukraine hat über 44 Millionen Einwohner, dagegen sind 35 Gerettete nichts, aber für diese 35 Menschen macht es einen gewaltigen Unterschied aus dem Kriegsgebiet raus zu sein, deshalb wollen wir uns nicht irre machen lassen und weitere Fahrten planen um nach und nach Menschen raus zu holen.

Wer weiß wie lange es noch möglich ist Menschen aus dem Kriegsgebiet heraus zu holen, deshalb fangen wir schon an die nächste Tour zu planen noch während die erste Gruppe unterwegs zum Ziel ist.

Donnerstag, den 3. März Start der zweiten Tour in die Ukraine mit 10 Transportern und 20 Fahrern.

Martina Köninger aus dem Arbeitskreis PerspektivForum Behinderung der Evangelischen Allianz Deutschland

https://perspektivforum-behinderung.ead.de/